Münchner Sagen, G‘schichten und Legenden | Am Marienplatz Teil 2

Münchner Sagen, G‘schichten und Legenden | Am Marienplatz Teil 2

Wer hat‘s erfunden – das „Schaulaufen“ als Geköpfter: Die Hanseaten mit ihrem Freibeuterkapitän Klaus Störtebecker oder die Bayern mit ihrem Raubritter Diez von Schaumburg?

1330 sollte der gefürchtete Diez auf dem Münchner Schrannenplatz mit vier seiner Komplizen enthauptet werden. Seine letzte Bitte an das Hohe Gericht war, man möge von seinen Gefolgsleuten alle die freilassen, an denen er es nach seiner Enthauptung noch schaffen würde, vorbeizulaufen. Die Richter lachten sich eins und stimmten feixend zu. Und so geschah‘s: Der Kopf des Diez von Schaumburg fiel nach einem Schwerthieb zu Boden, doch sein Rumpf rappelte sich auf – und schaffte es tatsächlich, noch an allen vieren seiner Kameraden vorbei zu taumeln. Das Publikum tobte vor Begeisterung, der Ritter erhielt an Ort und Stelle ein Begräbnis mit allen Ehren. Und seine Komplizen kamen sofort frei. Liberalitas Bavariae!

70 Jahre später erst, 1401, soll Klaus Störtebecker vor seiner Enthauptung eine gleichlautende Bitte an den Hohen Rat getan haben. Und auch seine Richter gaben ihm ihr Wort darauf. Störtebecker jedoch soll in seinem Totenlauf sogar noch an elf seiner Kumpane vorbeigekommen sein. Doch seine Richter dachten gar nicht daran, ihr Versprechen zu halten: Alle 73 Komplizen Störtebeckers wurden noch am selben Tag geköpft.

Übrigens: Als der Scharfrichter bewundert gefragt wurde, wie er das geschafft hätte, 74 Enthauptungen an einem Stück und mit je nur einem Hieb, soll er nur gelacht haben: Das sei für ihn gar nix, er könne, wenn man wolle, auch gleich mit dem ganzen Hohen Rat weitermachen.

Das fanden die Herren aber gar nicht komisch – und ließen den Henker gleich selbst köpfen. So viel zur hanseatischen Korrektheit!

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 Veröffentlicht von…
Fritze
Klaus Palermo bei Google+ | veröffentlicht am 30. November 2014
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Über Fritze

"Wir sind mehr als stolz, einen richtig hochkarätigen Schreiberling unser „Eigen“ zu nennen. Denn Fritze aka die „Edelfeder“, früherer Chefreporter einer großen Münchener Tageszeitung, schwingt ab und an genau diese Feder exklusiv für uns! Er entführt uns mit gewitzten wie auch ernsteren Geschichten in das andere München aus der Vergangenheit und Gegenwart."

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