Der Wiesndepri ist in der Stadt

Der Wiesndepri ist in der Stadt

So  wir haben es wieder geschafft. „We are the Champions“ und das atemlos hulapaluend, despacierend durch die Bierzeltnacht. Diesjährig sogar 18 Tage saufen, 18 Tage fressen, „debattieren“, singen, grölen, vögeln, schlägern, lachen, weinen, schmusen, kotzen. Das gepaart mit einer Mischung aus Dauervernebelung und –euphorie haben es geschafft und München und seine rund sechs Millionen Gäste in den Bann gezogen und wieder mal fertig gemacht.

Wir sind trücklich, quasi glücklich und traurig zugleich – denn einerseits ist man heilfroh, wenn man die Lederne oder das Dirndl – das Sündengewand –  endlich wieder in den Schrank hauen kann, das Loch im Geldbeutel versiegt und das Konto nicht mehr malträtiert wird. Andererseits fällt man auch, wie nach einem ordentlichen Vollrausch, in ein emotionales Loch, das mehr schmerzen kann als der Sturz vom Biertisch. Man kann es teilweise gar nicht fassen, dass es „schon“ vorbei ist. Die Gefühle kochten besonders wieder am gestrigen Wiesnfinale über, als  gestandene Mannsbilder auf einmal zum Weinen angefangen haben und sich wieder fremde Menschen,  bestückt mit Rausch und Wunderkerzen, zu „Sierra Madre“ oder „We are the Champions“ in den Armen lagen.

Genau in diesem Moment klopft auch der Alltag, die Realität wieder an, die dem ein- oder anderen suggeriert, dass er vielleicht doch gar kein Champion ist, weil er sich die letzten 8, 10, oder gar 13 Tage weggeknallt hat und so nur in einer biergetränkten Pseudogesellschaft seinen Platz gefunden hat.

Die wahren Champions sind sowieso nur die Bedienungen und Wiesnarbeiter, die in dieser surrealen Umgebung Profit schlagen und das herrschende Chaos im Griff halten konnten. Für die heißt es jetzt erst mal „ab in den Süden“ und das wohlverdient. Beim Otto-Normal-Wiesnbesucher, der für diese Zeit Urlaubstage aufgebraucht hat, wird jedoch der Endorphinhaushalt extrem runtergefahren. Die Euphoriekurve fällt steil. Die erlebten Bierzeltglücksgefühle, das Championsgefühl weicht einer einer „So lonely“-Stimmung, besonders dann, wenn man sich wieder mit sich selbst beschäftigen muss und dabei die letzten Tage versucht zu rekonstruieren.

Was bleibt sind oft verschwommene Erinnerungen, die ein- oder andere „Heldengeschichte“, in Form von Aufrissen oder Suffaktionen, welche man von der geschlagenen Wiesnschlacht mitgenommen hat und mit der man noch ein paar Tage in der Arbeit prahlen kann. Dann aber gehen auch diese Heldengeschichten verloren, da sie sehr schlecht dokumentiert sind. Weitere häufige Nebenwirkungen sind körperlicher Natur: Aufgeschwemmte Köpfe, ein paar Kilo mehr auf den Hüften, blaue Flecken am ganzen Körper (verursacht von Fahrgeschäften und Biertischstürzen) und Phantom-Hosenträger, welche wir noch ein paar Tage mit uns rumtragen.

Aber das (er-)tragen wir gerne! Denn jetzt heißt’s nur noch 352 Mal schlafen.  Denn dann heißt’s wieder „Ozapft is, auf eine friedliche Wiesn…“ Mir freuen uns drauf…

 

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 Veröffentlicht von…
Palermo
Klaus Palermo bei Google+ | veröffentlicht am 6. Oktober 2014
Palermo

Über Palermo

... unser seit 12 Jahren eingemünchnerte Allgäuer ist nicht nur einer der Mitbegründer von MMA, sondern auch ein gewieftes Trüffelschweinchen in Sachen Freizeit mal anders. Gut vernetzt im Münchener Nachtleben kennt er die meisten Clubs, die neuesten Bars und Restaurants der Stadt.

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