Münchner Sagen, G‘schichten und Legenden – Alter Hof und Residenz Teil 2

Münchner Sagen, G‘schichten und Legenden – Alter Hof und Residenz Teil 2

Im ersten Teil von Fritzes Geschichten rund um den alten Hof und die Residenz beschäftigte er sich mit Mozarts Scheitern in München und Ludwig dem Strengen.

Hier geht’s zum ersten Teil -> Alter Hof und Residenz Teil 1

Spätere Wittelsbacher sahen das mit der Sittenstrenge nicht mehr ganz so eng, wie Ludwig der Strenge. Eine Romanze der besonderen Art spielte sich direkt vor den Toren des Alten Hofs in der Burgstraße in einem Gasthaus ab, das seit 1391 der Wirt Otto Schymel mit seiner Gattin, der schönen Adelheid, betrieb. Damals eins der ersten Häuser am Platz, in dem die g‘wappelten Bürger Münchens (also solche mit einem Familienwappen) einkehrten und gerne auch die Herzogssöhne Ludwig, Stephan und Wilhelm. Vor allem Wilhelm war hier Stammgast, hatte doch die schöne Wirtin eine ebenso schöne Enkelin.

Lässt sich denken, wie die Geschichte weiterging: Plötzlich war halt einfach ein strammes Baby da. War das jetzt ein Wirtsbüberl oder gar ein kleines Herzöglein? Egal: Wilhelm ließ sein Gschpusi nicht schnöde in der Schande sitzen, sondern sorgte für die beste Erziehung Konrads, wie das Knäblein getauft wurde, und kaufte ihm später die Hofmark Planegg, die den nun zu Konrad von Egenhofen ernannten  Spross seiner Wirtshausliaison zum äußerst erfolgreichen Gutsherren machte. Endlich mal ein Wittelsbacher-Happy-End.

Die bekannteste Sage um den Alten Hof ist wohl die vom „Affenturm“, ein hoher Erkerturm, der heute noch die Torwand schmückt. Herzog Ludwig II. (wir kennen ihn schon als den Strengen) hatte seinen Narren gefressen an einem dressierten Affen, der mit seinen Späßen den ganzen Hof erfreute. Er durfte in der Burg frei herumlaufen. Und so kam er auch in das Zimmer des neugeborenen Herzogsöhnchens, ebenfalls ein Ludwig, als dessen Amme gerade mal den Raum verlassen hatte. Wie bei der gesehen, nahm der Affe das Baby in der Arm und warf es immer wieder vergnügt kreischend in die Luft. Kurz: Die Amme kam zurück, schrie vor Entsetzen, der Affe floh, der ganze Hofstaat jagte ihn nun, in seiner Panik rettete sich der Affe durch eine Dachluke auf die höchste Spitze des Erkerturms – den kleinen Ludwig fest mit dem Arm umklammernd. Hektisch wurden nun unter dem Turm Decken und Betten ausgebreitet und alles starrte gebannt auf den Turm. Die plötzliche Stille, die nun einsetzte, schien auch den Affen zu beruhigen. Er schwang sich zurück aufs Dach, ab durch die Dachluke, und brachte den Knaben sicher zurück in sein Bettchen. Nochmals ein Happy End – mit Folgen. Den hätte der Affe auf dem Turm in seiner Angst einmal losgelassen, hätte es nie einen Kaiser Ludwig den Bayern gegeben, zum dem das kleine Opfer dieses Affentheaters später heranwuchs.

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 Veröffentlicht von…
Fritze
Klaus Palermo bei Google+ | veröffentlicht am 24. Januar 2015
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Über Fritze

"Wir sind mehr als stolz, einen richtig hochkarätigen Schreiberling unser „Eigen“ zu nennen. Denn Fritze aka die „Edelfeder“, früherer Chefreporter einer großen Münchener Tageszeitung, schwingt ab und an genau diese Feder exklusiv für uns! Er entführt uns mit gewitzten wie auch ernsteren Geschichten in das andere München aus der Vergangenheit und Gegenwart."

Eine Meinung zu “Münchner Sagen, G‘schichten und Legenden – Alter Hof und Residenz Teil 2

  1. Dass der Turmerker erst im Jahre 1470 erbaut wurde, Ludwig der Bayer aber schon 1347 bei einem Jagdunfall ums Leben kam, tut bei dieser netten Geschichte kaum etwas zur Sache.

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