Mir San Fasching

Mir San Fasching

Karneval, dieses bunte Treiben voller Leben, Witz, Hochprozentigem, gebrochenen Nasen, öffentlichem Urinieren und Ehebruch. Ich würde es lieben, doch leider werfe ich meine Kamellen in München von einem ungeschmückten Sixt-Umzugswagen.

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In dieser Stadt ist die wilde Sause ein kaltes Lüftchen, keine Vielfalt nur Einfalt und Verkehr hast du höchsten mit der Polizei: kurz gesagt, hier auszujecken ist wie in Rio Schuhplattlern.

Außerdem werde ich im Fasching immer so nachdenklich. Nein, ich frage mich dann nicht, wie es der deutschen Volksleber geht, sondern in welchem Kostüm mich Gott nach dem Tod zurück auf die Karnevalsbühne des Lebens schicken wird?

Als Asterix oder als Obelix? Als Chaplin oder Hitler? Als König oder Knecht? Als Eintagsfliege oder Dauerbrenner?

Burner wäre Dauerbrenner. Da ist man richtig hot und lebt ewig. Der Tank ist nie leer, logisch, sonst wäre man ja ein Kurz- bis Mittelfristigbrenner. Aber vielleicht ist es auch öde? Immer voll Stoff geben. Muss man als Brenner nicht auch mal löschen? Neuste Studien zeigen, alle bekommen früher oder später Burnout.

Dann doch lieber Eintagsfliege. Dieses verdichtete Leben, fantastisch intensiv. Nur ein Tag, dann ist alles vorbei. Da fliegt man als Fliege nur im Hier und Jetzt, blickt mittags nicht auf morgens zurück und isst soviel Kot wie geht. Obwohl, vielleicht wird man auch undankbar und denkt sich nachmittags: Ja, danke Gott, du mich auch. Jetzt bin ich gerade angekommen, hab mich gerade erst ins Leben eingeflogen und nun bin ich auch schon wieder fast am rausfliegen? Was sagst du? Carpe Diem? Selber Carpe Diem, kannst mich gern’ haben, ich flieg jetzt vor den Fernseher und glotz mich tot. Doch oh Schreck, als ich los zappe gibt es nur einen Kanal – Karneval! Das macht mich ja immer nachdenklich. Was wenn ich keine Eintagsfliege wäre, sondern ein Typ im Bademantel in München?

Und plötzlich, ein dreifacher Tusch, heftiger Konfettiregen und tatarata: Ich bin der Typ im Bademantel in München. Wow, Gott kann zwar nerven, hat aber schon einiges drauf. Ich zerdrücke eine Eintagsfliege und denke dabei, dass die Dorfstadt mit Herz eigentlich das Epizentrum des Karnevals ist – außerhalb der närrischen Zeit.

Da gibt es zum Beispiel den Schickikarneval, die Job-Fasnacht oder den Bierfasching zur Wiesnzeit? Und lustige Narren gibt es auch zuhauf, wie den Ich-gehör-nach-Berlin-Narren oder den Ich-bin-zwar-alt-aber-immer-noch-jung-Jecken. Gerne verkleiden sich auch alle Erfolgsverwöhnten oder solche, die es werden wollen als eingefleischte Bayernfans.

Bei dieser hohen Faschingsdosis wird mir wieder so philosophisch und ich muss mich fragen: Als was wird mich die Arbeitsagentur nach meinem Job-Tod zurück auf die Karnevalsbühne der Münchner-Arbeitswelt schicken?

Egal, Hauptsache närrisch. München Alaaf.

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 Veröffentlicht von…
Frank Schitzo
Klaus Palermo bei Google+ | veröffentlicht am 8. Februar 2015
Frank Schitzo

Über Frank Schitzo

Frank Schitzo ist unser schitzofranke SingerSongerWriter, der u.a. mit dem Kunstprojekt Hartzbuben durch die Münchener Bars zieht. Er fotografiert, schreibt, spielt Gitarre, kurz ein Kunstwichser und ist bekennender Feind der Kapitalismus-Diktatur, obwohl er in dessen Propagandaministeriums seine Brötchen verdient.

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