Münchner Sagen, G‘schichten und Legenden – Lola Montez

Münchner Sagen, G‘schichten und Legenden – Lola Montez

Nicht nur der typische Münchner Grantler meidet die Fußgängerzone zwischen Marienplatz und Karlstor wie die Pest („vui zvui Gschwerl vo draußerhalb“), auch der Normalmünchner umgeht das Gedränge gern auf Schleichwegen. Unser Weg führt westlich vom Rathaus erst einmal in die Weinstraße, die weiter nördlich in die Theatinerstraße übergeht. Wieder einmal altmünchner Gassen voll Historie, aber auch mancher Histörchen.

Und wieder spielt darin die fesche Lola Montez eine Rolle. Die angebliche Spanierin aus Sevilla, in Wirklichkeit als Tochter eines britischen Offiziers im nordirischen Dorf Grange geboren, hatte schon ziemlich alle europäischen Königs- und Fürstenhöfe durch, als sie am 12. Oktober 1846 nach München kam, fremdenpolizeiamtlich registriert als „Lola Montes, Künstlerin/Tänzerin, von Sevilla in Spanien, 24 J., kath.“. Zweck des Aufenthalts: „Gastvorstellung“. Legitimations-Urkunde: „ohne Pass“.

Doch Lola wusste, wie man sich auch ohne amtlichen Ausweis Reputation verschafft: Sie quartierte sich umgehend im gerade fünf Jahre zuvor eröffneten Hotel „Zum Bayerischen Hof“ am Promenadeplatz ein, das auf Wunsch König Ludwig I. als Münchens nobelste Herberge erbaut worden war. Preislich eine Kategorie, die sich Lola eigentlich gar nicht leisten konnte. Doch nach München war sie eh nur gekommen, um die Gunst König Ludwigs zu erreichen, was ihr auch im Sturm gelang (siehe Kapitel Residenz). So musste sie die teuren Rechnungen im „Bayerischen Hof“ nur acht Tage lang bezahlen, bevor sie Ludwig – nun auf seine eigenen Kosten – im ebenfalls bestrenommierten „Goldenen Hirschen“ in der Theatinerstraße einlogierte, der schon Lessing, Mozart und Österreichs Kaiser Joseph II. beherbergt hatte. Und der halt nun mal wesentlich günstiger zur Residenz lag . . .

Lang hielt sie es aber auch dort nicht aus. Nachdem sie im „Hirschen“ in einige „Raufhändel“ (vulgo Wirtshausschlägereien) verwickelt war, erhielt sie nach nur fünf Monaten Aufenthalt Hausverbot – bei einem Hausball soll sie dem Geschäftsführer mit ihrer Reitpeitsche, die sie stets einsatzbereit mit sich trug, einen höchst unwillkommenen „Schmiss“ über die Backe gezogen haben. Ein Rausschmiss, der sie aber nicht groß schmerzte. Hatte König Ludwig ihr zwischenzeitlich doch schon ein eigenes Palais am Karolinenplatz (links neben dem heutigen Amerikahaus) einrichten lassen. Freilich: Auch dort währte das Luxusleben nur neun Monate, bevor Lola am 11.Februar des Revolutionsjahrs 1848 aus München gejagt und der König wenig später vom Thron gescheucht wurde. Von da an gingʻs für die berüchtigtste femme fatale des 19. Jahrhunderts bergab. Zuletzt tingelte sie nur noch in Varietes und Zirkusshows. Keine 40 Jahre alt starb sie am 17. Januar 1861 in New York. Letzte Station: ein Armengrab auf dem Greenwood-Friedhof in Brooklyn . . .

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Fritze
Klaus Palermo bei Google+ | veröffentlicht am 11. Mai 2015
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Über Fritze

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