MÜNCHENS KUNST und wo man sie FINDET

MÜNCHENS KUNST und wo man sie FINDET

Kunst liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. So sagt man doch. Trotzdem hat uns unsere Natur schon einen gewissen Sinn für das Besondere mitgeben.

Wenn meine Tochter mir mit stolz geschwellter Brust ein krakeliges Bild unter die Nase hält, dann weiß ich zwar, dass sie niemals Kunstwettbewerbe gewinnen wird, aber mein liebendes Mutterherz sagt: Toll, kein anderes dreijähriges Kind kann so gut malen wie das Meinige. Und dieses Kopfmännchen ist der Knaller.
In einer Stadt wie München Kunst zu finden ist demnach, wenn man nicht besonders anspruchsvoll ist, wie ich im Falle der selbsternannten Kunstwerke meiner Kleinen, auf den ersten Blick schwierig.
Wir beherbergen keine gigantischen Bauwerke, auf denen ein in flackernde Lederjacken gehüllter „Hoff“ Freiheitshymnen sang. Keine riesigen Kirchen. Keine mittelalterlichen Burgmauern.

Das deutsche Museum ist abgekaut, die Glyptothek schon zu Gymi-Zeiten abgearbeitet, und gehört zu der „toten“ Kunst. Immer noch großartig aber nicht mehr zeitgemäß.

Wenn wir uns also kulturell weiterbilden wollen, müssen wir genau hinschauen. Dies kann vielleicht einer der unzähligen Straßenmusiker in der Kaufinger Straße sein (wobei sogar die mir inzwischen zu Mainstream geworden sind) oder eine abgefahrene Persönlichkeit. Jep, auch lebende Menschen können Kunstwerke verkörpern.

Wenn ich an Kunst denke, dann kann sich diese musikalisch, als auch bildlich darstellen. Ich gebe es zu. Ich hatte im Kunstunterricht und im dazugehörigen Abschluss nur eine 4, aber da Kunst ja individuell ist, zählt diese Note nicht… Oder?! Kunst ist eine Passion. Künstler zu sein, eine Lebenseinstellung.

Wenn ich überlege, ich habe viele solcher selbsternannten Helden in meinem Freundeskreis. Einer ist Überlebenskünstler. Ein anderer hat es auf heldenhafte Weise bis zu seinem zweiunddreißigsten Lebensjahr trotz maßlosem Alkoholkonsums geschafft jung und vital auszusehen. Auch das ist einzigartig und somit Kunst. Wie ich erwähnte, es ist eine Sache der Einstellung.
Ein besonderer Mensch jedoch hat es geschafft, sein Leben seiner Kunst zu widmen und das entgegen aller gesellschaftlich-anerkannten Konventionen. Wenn ich meiner Oma einen angesprühten Güterzug gezeigt hätte und im selben Atemzug „Kunst“ erwähnt hätte, sie hätte einen Infarkt bekommen. Für sie war nur nennenswert, was gesellschaftsfähig war. Sprich, die Mona Lisa. Künstler des Kubismus hingegen, wie ein Picasso, waren nicht mehr klassisch genug. Daran galt es nichts Schönes zu finden. Kunst musste schön und nicht individuell sein.

Mein Kumpel also zählt heute dreißig Jahre und ich kenne keinen, der sich so gekonnt auf mehreren Ebenen ausdrücken kann. Seine Texte sind tiefgründig und sprühen vor Charme, Gesellschaftskritik und zeugen von unglaublicher Intelligenz. Wenn er Fremdwörter einfließen lässt, dann auf hohem Niveau, es klingt keine Minute abgedroschen oder so, als wüsste er nicht, was sie zu bedeuten hätten. Als fünfzehnjähriger hatte er immer ein Fremdwörterbuch bei sich. Nicht weil es hübsch aussah, sondern weil er es auswendig gelernt hat. Jedes einzelne Wort davon.

Die Wand seines Kinderzimmers zierte ein riesiges 1a gesprühtes „Mentale Fusion“. Der Name der damals zweiköpfigen Band. Und das Liebeslied, dass ich damals von ihm erhielt, beinhaltete mehr gekonnter, romantischer Fremdwörter, Metaphern und Wortspiele im Allgemeinen, als ich in meinem Leben je können werde.
„Ich liebe Dich wie Apollo den Gesang, entdeck‘ den freien Fall wie Galilei in die Wolllust deines Banns“ Uralt, aber hat sich eingebrannt.
Ja, er ist ein  Künstler. Musikalisch, als auch auf dem Papier, oder eben der Zimmerwand.

Heute lebt er bei seiner Mutter im oberen Geschoß und lässt sich von den gesellschaftlichen Auflagen mal ordentlich am Arsch lecken. Ich liebe es. In einer Mietpreis überteuerten Stadt, wie München, sind wir doof zu nennen, wenn wir ihn deswegen verurteilen…Da oben widmet er sich seinen Bildern, als auch seiner Musik. Und was soll ich sagen, jedes Mal wenn ich ein Werk von ihm auf Ohren und oder Augen bekomme, bin ich sprachlos. Und das ist nicht einfach hinzubekommen.

Ein gesprühtes Wort bekommt die Kraft, die es gesprochen nicht auszudrücken vermag. Eine Blume wird wahrhaftiger, als sie auf der Wiese je wirken wird. Seine Texte spiegeln das wieder, was uns als intelligente junge Menschen dieser Gesellschaft interessieren und berühren sollte.
Wenn ich mir seine „aktuelle“ Musik anhöre, fühle ich mich in meine Jugendzeit zurück versetzt. Nur die Texte sind gewachsen und befassen sich mit brisanten und tiefgründigen Themen. Man mag es kaum glauben, aber neben dem ganzen flachen Mainstream-Shit, der sich tagein tagaus nur um zwei Dinge dreht: Liebe und Sex, wirkt der Text aus *Meister des Spiels* überraschend, umhauend, erfrischend. Soviel Niveau muss man erstmal packen können.

Manch einer mag jetzt behaupten, dass Graffiti’s als auch Hip-Hop Texte doch nur Kunst-gewordene Auswüchse maßlosen Graskonsums sein mögen?!

  1. Nein, geht auch ohne, wenn man nur open-minded genug ist
  2. Dass Kunst nicht immer legal sein muss, versteht sich von selbst. Die größten musikalischen, als auch bildlichen Kunstwerke sind unter dem Einfluss von Drogen entstanden. Und nur die *leichtesten* der bewusstseinserweiternden Substanzen lassen sich legal erwerben.

Kunst ist also immer Grenzwertig. Sie muss es auch sein, denn die natürliche Angst vor Risiken ist den meisten Menschen zu Eigen. Wäre Kunst also nicht Grenzwertig, wären viel mehr Menschen sozusagen *Vollzeitkünstler* und nichts Besonderes mehr. Und das Wort B.E.S.O.N.D.E.R.S macht es ja aus.
Mischa’s Texte sind es auf jeden Fall. Wenn man, wie ich, mit durchschnittlicher Intelligenz gesegnet ist, muss man am besten während dem Hören die Texte mitlesen, um sie wirklich zu begreifen, aber dann hauen sie um und öffnen Welten.  M. und Kollegen zeigen auf und ermahnen uns – öffnen die Augen, lasst euch nicht von der Flachheit der Gesellschaft verpesten. Seid anders, zeigt es, seid stolz drauf. Lebt es. Wehrt euch und vor allem kämpft gegen die Volksverdummung.

Stempel gehören ins Büro, aber nicht in die Gesellschaft und schon gar nicht gehören Individuen damit gezeichnet.

Wenn wir also genau hinschauen, finden wir auch in München gigantische und einzigartige Kunst. Und wenn nicht im Freundeskreis, dann hat sicher die Bar oder die Galerie eures Vertrauens das ein oder andere Schmankerl für Ohren und Augen…

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 Veröffentlicht von…
joya
Klaus Palermo bei Google+ | veröffentlicht am 4. Juni 2015
joya

Über joya

...unser jüngster Zuwachs ist endlich wieder in München. Zeit wurde es! Nach einem längeren Ausflug in die Allgäuer Gefilden, ist unser Paradiesvogel mit der feinsinnigen Schreibfeder endlich bei MMA gelandet. In ihrer Stadtkolumne wird sie sicher vielen aus der Seele schreiben. Wir freuen uns extremst darüber.

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