3,2,1 Frohes Neues…

3,2,1 Frohes Neues…

„Was machst du denn an Silvester?“ Waaaahhhh innerlich platzt mir die Hutschnur, ein Feuerwerk der Gefühle explodiert. Wie ich diese Frage liebe. Nicht. Es ist fast so müßig, wie Geburtstage, Junggesellenabschiede und bestandene Prüfungen.

joy silvester

All diese Ereignisse haben etwas gemeinsam- die Erwartungen an diese Feiereien sind einfach viel zu hoch, als dass sie irgendeine Chance hätten dem gerecht werden zu können. Wenn ich also antworte: ‚schieb dich mit dieser Frage, ich mach das einzig vernünftige, ich geh ins Bett!‘
Dann werde ich angeglotzt wie der allererste Mensch. Aber ehrlich. Jedes Mal wenn ich versucht habe die Jahreswende zu feiern, dann ging das in die Hose. Ein verrückter orientierungsloser Pyromane fackelt meine neuen Sneaker an. Klar Junge, wenn du zu voll für einen Knallteufel bist, dann geh nach Hause. Das superteure Essen im superteuren In-Lokal in München wurde seinem „super“ nicht gerecht.

Die Hausparty bei mir endete damit, dass mein damaliger Partner zum Sprinkler mutiert ist- statt den Rasen mit Wasser hat er allerdings um dreiundzwanzig Uhr vier mein Bad mit Erbrochenem besprüht. Beziehungskrisen. Überteuerte Böller. Verängstigte Tiere. Mit Schwefel verpestete Luft. Miese Partys. Schlechte Paillettenoutfits. Das alles verbinde ich mit Silvester.

Hübsch nicht?!

Wenn mich jetzt also jemand fragt, was ich an Silvester tue, dann muss ich gründlich überlegen. Es ist ja so – an Neujahr sind alle in der Heimatstadt. Alle Freunde von Früher, heute und morgen. Noch da und völlig überfressen und orientierungslos von Weihnachten. Desillusioniert nach den Familienstreitigkeiten und oder Dramen unterm Tannenbaum bei Mutti. Sie alle lechzen nach Freunden. Eine erfrischende Abwechslung nach den kurzen aber doch so langen Feiertagen. Diese komische Übergangszeit zwischen den Jahren. Endlich geht es weiter. Das neue Jahr steht vor der Tür. Unsere Wünsche und Vorsätze noch jung und frisch. Bereit eingehalten zu werden. Vielleicht eine neue Liebe an unserer Seite. Das erste Silvester mit dem neuen Partner. Ein Zukunftsversprechen. Mit dir ey- mit dir plane ich nicht nur mein kommendes Jahr, sondern vielleicht den Rest meines Lebens!

Silvester ist wie IKEA. Man startet hinein- voller Euphorie und Plänen. Dieser Abend wird das anstehende Jahr wiederspiegeln. Alles neu. Alle Chancen noch offen. Ich höre auf zu trinken (OK morgen) ich suche mir einen neuen Job (OK nach meinem Winterurlaub) ich ziehe mit meinem neuen Partner zusammen (wenn er sich gut macht). Und dann- genau wie bei IKEA- nach dem dritten Gang merkt man, das entspricht nicht meinen Vorstellungen. Viel zu teuer. Viel zu viele Deppen. Die Fleischbällchen haben auch schon mal besser geschmeckt.

Um elf Uhr also startet die erste Müdigkeitswelle, weil Kinder, wir sind auch nicht mehr die Jüngsten. Also tue ich was dagegen und trinke schneller. Je dichter ich bin, umso lustiger- oder? Und dann wird mir schwindelig, ich pfeife auf meine Vorsätze und stecke mir vielleicht noch ne Kippe an. Dann wird mir schlecht. So läuft das immer. Oder? Kurz vor zwölf die Panik, wo hat man die beste Aussicht auf das Feuerwerk. Man muss schon dabei sein, und zusehen wie eine Jahresration an finanziellen Mitteln, die den Hunger in Afrika bekämpfen könnten, sinnlos in die Luft geballert werden. Dann die Enttäuschung. Durch den ganzen Nebel und Qualm sieht man die von „Aaaahhh’s“ und „Ooooohhhh’s“ begleiteten Feuerwerkskugeln kaum.

Wie hübsch.

Wäre das Feuerwerk auch erledigt. Das runterzählen. Die überlasteten Netze, weil sich Hans und Franz ein glückliches neues Jahr wünschen muss. Man hört sich nie. Aber an Silvester ist alles anders. Und dann. Stiefelt man mit seinen zu engen aber sündhaft teuren Hacken durch den Regen (Schnee an Silvester habe ich aufgegeben) zum nächsten mega Club. Weil da werde ich bis morgen früh um elf in das neue, erfolgreiche, super gute, mit allen Chancen offene, neue Jahr tanzen. Mit all meinen coolen Freunden. Ohne Streit. Und meinem neuen Partner. Sahne. Das witzige ist, schon am nächsten Tag holt einen Alles ein.

Die Party war der Reinfall des Jahres. Um drei habe ich mich nach Hause gequält. Am nächsten Tag mittags aus dem Bett geschält, die Hälfte meiner Vorsätze noch in der Nacht über Bord gekippt. Na gut, vielleicht finde ich ja irgendwo eine Omi, der ich über die Straße helfen kann. Dann bleibt wenigstens etwas von meinem Neujahrskarma bestehen.
Ich merke ich habe einen Haufen Geld ausgegeben. Meine Freunde von früher sind nicht mehr die Freunde von morgen, weil ich im *Suff* etwas gesagt habe, dass sie vergrault.

No thanks.

Mein Silvester – Freunde, wird so ausschauen: Ich gönne mir ein dickes Käsefondue. Lege mich um elf ins Bett. Wache am nächsten Tag früh auf und ab in die Berge. Läge Schnee würde ich boarden gehen, am ersten des neuen Jahres haste die Piste nämlich für dich. Und abends- höre ich mir die Geschichten meiner Freunde an, die von ihrem *ach so tollen* Silvester erzählen. Dann freue ich mich. Denn ich bin fit. Meine Vorsätze haben noch eine Chance und ich habe mir einen Haufen Frust erspart. Und das bevor das Jahr überhaupt zwölf Stunden alt ist.

An dieser Stelle stellt sich mir allerdings folgende Frage; Liegt es an der Stadt, ob das Neujahrsspektakel eine Chance hat, oder nicht?
Kann ich, zum Beispiel in einer Stadt wie New York davon ausgehen, dass das die Party des Jahres wird? Größere Stadt, größere Chancen? Hippere Stadt, hippere Partys? Mehr Menschen, mehr Spaß?
Wohnte ich in Berlin, würde ich dann über einen Gullideckel stolpern, unter dem sich die Feierei des Jahrhunderts abspielt?

Ich glaube nicht. Wie kann denn eine Stadt alleine überhoch gesteckten Erwartungen gerecht werden?

Vielleicht probiere ich es dieses Jahr wie folgt: Ich kaufe mir nicht das Partykleid des Jahres. Trinke nicht um gutgelaunt zu werden. Esse nicht zu viel. Verzichte auf das Feuerwerk und gehe ohne hohe Erwartungen und krasse Neujahrsvorsätze über in das neue Jahr.

Letztendlich. Was ist das schon?! Es ändert sich nichts. Wenn ich will kann ich auch am dritten August gute Vorsätze niederschreiben. Ich kann jederzeit mit meinem Freund zusammenziehen. Ich kann immer aufhören zu trinken. Und alten Menschen über die Straße helfen. Ich kann alles und immer. Ich brauche dafür keinen festgelegten Tag. Ich brauche kein 00:00 um den Menschen um mich herum zu sagen, dass ich ihnen alles Gute wünsche. Ich brauche keinen 31.12. um die Party des Jahres zu feiern.

Ich kann alles. Und immer. Das beruhigt. Ungemein.

In diesem Sinne- Prost ihr Lutscher. Heute geh ich früh ins Bett. Und wehe einer von euch ruft mich um Mitternacht übervoll an. Das ist eine Warnung. Und ein Versprechen. Happy New Year!

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 Veröffentlicht von…
joya
Klaus Palermo bei Google+ | veröffentlicht am 30. Dezember 2015
joya

Über joya

...unser jüngster Zuwachs ist endlich wieder in München. Zeit wurde es! Nach einem längeren Ausflug in die Allgäuer Gefilden, ist unser Paradiesvogel mit der feinsinnigen Schreibfeder endlich bei MMA gelandet. In ihrer Stadtkolumne wird sie sicher vielen aus der Seele schreiben. Wir freuen uns extremst darüber.

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