Erobique verbreitet eine Überdosis Freude in der Stadt

Erobique verbreitet eine Überdosis Freude in der Stadt

An einem gewöhnlichen Sonntag Abend ist im Unterdeck etwas Außergewöhnliches passiert. Der musikalische Taussendsassa Carsten Mayer alias Erobique hat bei einem spontanen, fast schon intimem Gig eine Überdosis Freude verbreitet. Er ließ sich nicht lumpen und legte, unsterstützt von einem Pelikan, 4,5 Stunden auf und brachte die illustre Meute zum endorphinbeschwingten tanzen.

In München war der gebürtige Münsteraner, weil er im Residenztheater für die Musik zur Komödie Triologie der Sommerfrische zuständig ist. Aber er nutzte seinen kleinen Ausflug auch dazu, um Freunde zu besuchen, gut zu essen und ausgiebig im Müllerschen Volksbad zu plantschen.
Unsere lieben Freunde vom Künstlerkollektiv TamTam haben die Chance ergriffen und Erobique im Gespräch zu essentiellen Sachen, wie Freude, Erschöpfung und  Selbstexperimenten befragt.

Aber seht und hört selbst. Hier ist das ganze Interview. Viel Freude!

Dein Konzert am Sonntagabend im Unterdeck war ja die Überdosis Freude!

„Ich mach das ja immer zusammen mit den Leuten. Wenn die Spaß haben, dann habe ich auch Spaß.“

Deine Musik an sich ist ja schon eine gewaltige Portion Freude, die auf das Publikum überschwappt und dann auf dich zurückkommt?

„Das ist die Frage nach der Henne und dem Ei. Ich weiß nicht, was zuerst da war. Das ergibt sich immer so. Ich versuche im besten Fall immer so ranzugehen, dass ich zuerst viel gebe und dann nicht allzu sauer zu werden, wenn nicht viel zurückkommt.“

Gehört Freude für dich zusammen mit Erschöpfung?

„Das wär‘ ja so das Ideal gewesen: durch’s Tanzen die Endorphine und durch die Bewegung das Adrenalin auszuschütten. Das sollte eigentlich reichen für einen ordentlichen Rausch. Aber gut, man kann natürlich auch nachhelfen.“

Berlin ist da bekannt für seine Mittelchen und Wege, um da gezielt nachzuhelfen und eine Überdosis Freude auszulösen. Ist das eine Option?

„Ja es ist immer eine Option, aber es verträgt sich sehr schlecht mit dem Beruf und ich bin weit davon entfernt, Leuten zu Drogenkonsum zu raten. Das hat auch zu viele Idioten hervor gebracht.“

Wir machen in Berlin zwei TAM TAM-Veranstaltungen im Freudenzimmer und im Freudenreich zur gleichen Zeit. Da lag es auf der Hand, dein Lied „Überdosis Freude“ als zentrale Thematik zu wählen. Was würde dich freuen, dort ausgestellt zu sehen?

„Eine gelbe Luftmatratze vielleicht, mit der man herum springen könnte. Eine richtig stramm aufgepumpte gelbe Luftmatratze, auf der man wie auf einem Trampolin hin- und herspringen kann, und nicht alle gleich aus Erschöpfung niederliegen. So ein bisschen Deichkind für Arme. Das würde mich freuen.“

Was hat dir in deinen letzten Tagen in München Freude bereitet?

„Das Müllersche Volksbad. Das war mein Geheimtipp. Ich habe auch sehr gut gegessen hier in München, aber ich fand, dass war ein Badeerlebnis. Es gibt auch in Hamburg schöne alte Badeanstalten. Aber das fand ich schon toll.“

Wie machst du TAM TAM?

„Ich hab mir Trommeln gekauft: Roto-Toms und wenn ich in Hamburg spiele, dann stell ich die auf die Bühne, nehme zwei Schlegel und mache da Diskopercussions. Als mich meine Freundin gesehen hat, als ich damit zum ersten Mal in Hamburg aufgetreten bin, hat sie gemeint: Ich wusste das gar nicht, du kannst das ja überhaupt nicht. Du behauptest das ja einfach nur. Und ich so: Ja genau darum geht’s. Ja genau, das ist gerade sehr schöner TAM TAM.“

Wie generierst du die perfekte Dosis Freude? Wie sieht die für dich aus?

„Es gibt ja keine perfekte Dosis Freude. Einen Trick habe ich gelernt: Wenn man sehr viel Freude empfindet, sehr zufrieden und glücklich ist mit seiner Situation, dann kann man sich diesen Zustand aus Demut kurz merken, und dann kann man darauf zurückgreifen, wenn’s mal nicht ganz so gut geht später. Das ist ja immer ein Kommen und Gehen mit der Freude und dem Glück.“

Wann war das erste Mal, als du wirkliche Freude gespürt hast?

„Ich glaube, als ich das Licht der Welt durch die Scheide meiner Mutter kommend erblickte. Also ich glaube, Freude kann man ja jederzeit überall erblicken, wenn man sich darauf einlässt und sich auch ein bisschen zur Ruhe kommen lässt.“

Wie hast du das gefunden, was dich antreibt?

„Mich treibt natürlich Musik an und die habe ich relativ früh gefunden. Mich treibt aber auch ganz vieles an, und was mir ganz gut getan hat: Ich hab seit gut über einem Jahr auf Alkohol verzichtet und das macht sich sehr bemerkbar in der Schaffenskraft und Ausgeglichenheit. Das stabilisiert ein bisschen das Empfinden der Freude, wenn man manchmal so hoch und wieder runter fährt.“

Bei der TAM TAM-Veranstaltung am 7.2 in Berlin präsentiert u.a. Mischa Badasyan sein Projekt „Save the date“. 365 Tag im Jahr, jeden Tag Sex mit einem anderen Mann. Was hältst du davon?

„Also ich weiß es nicht, das macht dem einen Freude und dem anderen nicht so viel Freude. Ich finde, dass ist sein gutes Recht, jeden Tag mit einem anderen Mann Sex zu haben. Ich glaube, ich würde nach zwei Wochen jeden Tag Sex mit einem anderen Mann oder einer anderen Frau, ein bisschen durcheinander kommen in der Birne. Aber gut, wenn er das macht.“

Welches Selbstexperiment würdest du gerne machen?

„Ich fand die Idee mit dem Alkohol ganz gut. Ich könnte das mit Zigarettenrauchen auch 365 Tage im Jahr: jeden Tag auf eine andere Zigarettenschachtel verzichten. Ich höre mich jetzt schon vernünftig an, oder? Ich weiß nicht, ich fände es ganz gut, 365 Tage im Jahr immer am gleichen Ort zu spielen. Das würde mir Freude bereiten. Eine Art Residenz, 7 Tage die Woche und die Leute kommen zu mir und ich würde eine Installation in einen Raum stellen. Ja, das finde ich gut. Einen schönen Ort, der perfekt auf meine Verhältnisse zum Musikmachen abgestimmt ist, mit Ballons und einem tollen Team an der Bar. Obstsäfte, Bowle und dann jeden Abend spielen. Das würde ich zwei Wochen machen und dann ist man so richtig eingeölt. Nicht immer wieder abbauen und aufbauen.“

Was würdest du Jim Avignon und Andreas Krach mit auf dem Weg geben, die beim TAM TAM in Berlin im Freudenzimmer auftreten?

„Ich wünsche dem Andreas und dem Jim, euch beiden, an dem Abend viel Erfolg, gutes Gelingen und eine fröhliche und gute Zeit. Genießt den Abend. Gerade diese Abende sind schneller vorbei, als es sich jemand im Vorhinein so ausgedacht hat. Viel Spaß auf jeden Fall!“

Was würdest du Mischa Badasyan mit auf dem Weg geben?

„Das Gleiche. Viel Spaß, Freude und vor allem: behalte die Nerven. Ich glaube, da muss man – da gibt’s so ein schönes Wort – besonnen sein. Da muss man sehr, sehr besonnen sein. Ich glaub, wenn du die Aktion machst, gehe sie sehr besonnen an. Und natürlich viel Spaß beim Sex wünsche ich dir. Deine Performance bei TAM TAM wird bestimmt stark!“

Wer denkst du, würde noch gut zu TAM TAM passen?

„In Hamburg gibt’s ja noch den tollen DJ Doktor Doktor Penis. Vielleicht ist der auch was für euch. Der arbeitet normalerweise für den Plattenladen Hanseplatte und schreibt immer diese Kolumnen: Gereon Klug. Der hat ein tolles Buch heraus gebracht, ist gerade auf Lesung unterwegs und als DJ nennt er sich Doktor Doktor Penis.“

Was gehört deiner Meinung nach zu einer TAM TAM-Veranstaltung?

„Ich hoffe, es gehört alles dazu, was euer Herz begehrt, damit ihr eine schöne Party feiert. Ich wünsche euch Konfetti, Luftschlangen, Verkleidung, Kostümwettbewerb, eine Tombola, ein Glücksrad, Trinkwettbewerbe, nasse T-Shirt-Wettbewerbe, alles was dazu gehört. TAM TAM auf allen Kanälen, volle Lotte! Aus vollen Rohren wird da geschossen! Die Party wird richtig angezündet!“

Das Interview führte Matthias Stadler | Kamera: Klaus Dietl | Illustration: Erobique

Sounds von Erobique

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 Veröffentlicht von…
Palermo
Klaus Palermo bei Google+ | veröffentlicht am 10. Januar 2015
Palermo

Über Palermo

... unser seit 12 Jahren eingemünchnerte Allgäuer ist nicht nur einer der Mitbegründer von MMA, sondern auch ein gewieftes Trüffelschweinchen in Sachen Freizeit mal anders. Gut vernetzt im Münchener Nachtleben kennt er die meisten Clubs, die neuesten Bars und Restaurants der Stadt.

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